Werner Bernhard Sendker

Die so unterschiedlichen Theorien von Raum und Zeit

Der transzendentale Idealismus Kants
im Verhältnis zurRelativitätstheorie Einsteins


Osnabrück: Der Andere Verlag, 2000
ISBN 3-934366-74-0

Pb, 164 S., 12 Abb., 1 Tabelle, DM 29,80

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Raum, Zeit und Relativität
bei Kant und Einstein
zwischen Philosophie und Physik



„Daß ich erkenne, was die Welt
im Innersten zusammenhält" (Goethe, Faust I)


An diesem Anspruch scheitert nicht nur Faust, sondern jede Theorie, jede Wissenschaft, die sich ein solches Ziel zum Vorsatz gesteckt hat. Obwohl der Versuch zum Scheitern verurteilt zu sein scheint, muß dieses Unternehmen doch immer wieder gewagt werden. Gesicherte Erkenntnis kann es nämlich nur dann geben, wenn die Grundlage der Erkenntnis gesichert ist. Die grundlegende Welterkenntnis und die zusammenfassende Weltvorstellung bilden gemeinsam die holistische Idee, daß Alles mit Allem irgendwie zusammenhängt.
Was die Welt ausmacht ist, wodurch sie konstituiert wird: Raum und Zeit. Daher kann keine neue Weltvorstellung etabliert werden, kein epoche-machendes Werk geschrieben werden, welches dieses Thema ausläßt.
Das Buch führt auch den unkundigen Leser behutsam in die Problematik ein. Es zeigt den historischen Werdegang der kosmologischen Theorien auf. Der Leser erfährt anschaulich, wie Newton den "absoluten Raum" mit einem halb gefüllten Wassereimer beweisen will und wie Leibniz diese Vorstellung mit einem Barometer zu widerlegen versucht. So ist es auch nicht verwunderlich, daß Kants "Revolution der Denkungsart" daraufhin ihrerseits den Anfang und die Grundlage zu einer neuen Lehre von Raum und Zeit bildet: Raum und Zeit als Anschauungsformen und als Erkenntnisse a priori. Kant ist der erste Philosoph, der die physikalischen Erkenntnisse in seiner Theorie berücksichtigt, zugleich aber den Primat der Philosophie nachdrücklich betont.
Die Kantische Philosophie, in der Raum und Zeit als Bedingungen und Grenzen menschlicher Erkenntnis aufgefaßt werden, erfährt ihr Waterloo schließlich durch die Relativitätstheorie, in der Raum und Zeit zu einem Raum-Zeit-Kontinuum verschmelzen. Hiernach besitzt jeder Raumpunkt, sofern dieser einem anderen Bezugssystem angehört, eine eigene Zeit. Ist dies nun das Ende der intuitiven Raum-Zeit-Vorstellung und der Beginn einer Epoche von "gekrümmten" Räumen und "gedehnten" Zeiten, oder läßt sich Kant angesichts moderner physikalischer Ergebnisse immer noch verteidigen und erfolgreich anwenden?
Beide Theorien werden einander gegenübergestellt, verglichen und bewertet. Kritiker und Befürworter aus beiden Lagern kommen zu Wort. Am Ende mag der Leser zur persönlichen Erkenntnis gelangen, daß die vermeintlich gesicherten Daten menschlicher Erfahrung die fragwürdigsten und interessantesten Koordinaten der Empirie sind.